Heute mal ein Thema, dessen Entwurf ich hier schon seit Monaten in der Pipeline habe und endlich mal abschließen möchte: Internetzugang per IPv6

Da Unitymedia seinen Bestandskunden anscheinend keinen IPv6-Präfix gibt, ohne per gewöhnlichem IPv4 in ein Carrier-Grade NAT gesperrt zu werden (Stichwort Dual-Stack-Lite), habe ich mich dazu entschieden selbst für die Zukunftssicherheit meines Internetzugangs zu sorgen. Mittel der Wahl ist hier ein Tunnel, der über eine bestehende IPv4-Verbindung eine IPv6-Verbindung ins Internet ermöglicht. Zuerst habe ich mich also auf die Suche nach einem Tunnelbroker begeben. Praktischerweise gibt es sogar eine (wie ich finde) gar nicht so schlechte Übersicht, die mir die Suche etwas erleichtert hat. Aber eigentlich war es genau anders herum: ich hatte von vorne herein das dumpfe Gefühl, dass ich zu SixXS gehen muss und habe geschaut, wieso das eigentlich so ist.

Um es kurz zu machen: Da ich bei meinem Internetprovider (noch) eine öffentlich erreichbare IPv4-Adresse bekomme, die zwar mehrere Wochen unverändert bleibt, aber unter Umständen halt doch verändert werden kann, benötige ich ein Tunnelprotokoll, dass mit dynamischer IPv4-Adresszuweisung umgehen kann: AYIYA oder Heartbeat. Mit dieser Erkenntnis bleibt dann nur SixXS übrig und die Suche ist beendet.

Im zweiten Schritt muss ein (kostenloser) Account bei SixXS erstellt werden, anschließend habe ich einen Tunnel mit Heartbeat-Unterstützung beantragt, weil meine FRITZ!Box das so möchte. Während der Registrierung wird einem ein wenig Angst gemacht, dass man nur eine ordentliche E-Mail-Adresse verwenden sollte, weil man bei Zuwiderhandlung von deren Service dauerhaft ausgeschlossen wird. Außerdem sollte man bei seinen Angaben nicht unbedingt lügen, da jeder Account und jede Anfrage händisch überprüft wird. So erklärt es sich auch, dass alles was ich hier beschreibe nicht an einem Nachmittag erreicht werden kann, weil zwischen allen Schritten mehrere Tage Wartezeit liegen können! Jedes Mal, wenn ich nach Gründen für mein Begehren gefragt wurde habe ich wahrheitsgemäß verkündet, dass ich als computer science student großes Interesse an IPv6 habe und lernen möchte.

Am Ende hat man einen SixXS-Account (ABC1-SIXXS) mit Passwort und einen Heartbeat-Tunnel mit Tunnel-ID (T123456). Zu Beginn bekommt man ein /64er Subnetz zugewiesen, später kann man ein /48er beantragen (was ich bereits getan habe, um Routerkaskadierung zu testen, bin aber noch nicht dazu gekommen.) Mit diesen Informationen bin ich nun in die entsprechende Maske meiner FRITZ!Box Konfiguration gegangen. Die erweiterte Ansicht muss aktiviert sein, dann findet man unter
Internet -> Zugangsdaten -> IPv6 die passende Seite, auf der alles entsprechend eingerichtet werden muss. Ich erachte das als Selbsterklärend und gehe da nicht weiter drauf ein.

Am Ende hat man für sein Netzwerk ein /64er-Präfix, mit dem sich jeder Client eine global gültige IPv6 Adresse basteln kann. Was will man mehr?